Samstag, 4. Februar 2017

Talk | The Blogger Thing

bloggerthing-AliceM.Huynh_013


Was momentan in Sachen Influencer medial abgeht, erreicht uns auch in den Tiefen des Ruhrpotts. Fashion Shows bestückt mit digital gefeierten VIP’s aus Mode und Lifestyle. Die Frontrows voll mit Bloggern und Instagram Heldinnen, die von Kopf bis Fuß von namenhaften Designern eingekleidet sind. Kein Posting vergeht, ohne auch nur eine Highend-Marke als #OOTD mit Markierungen, Verlinkungen oder Hashtags betrachten zu dürfen. Nie haben wir mehr von den aktuell gehypten Influencern mitbekommen. Star Magazine und Frühstückssendungen nehmen sie ins Programm auf, Snapchat oder Instagram Stories liefern uns Einblicke in ihren Alltag aus Reisen, Events, Parties, Alkohol, Essen und Laptop Arbeit. Aber auch noch nie waren die Idole der Neuzeit gleichzeitig so unnahbar.

All das wofür ein Blogger einst stand, dass er nah an der Zielgruppe agiert und das Verbindngsglied zwischen Konsument und der Marke ist, scheint für das Proletariat nun unerreichbarer als je zuvor. Wenn du noch aus der Tasche der Eltern lebst, oder dein Apartment mit Studie-Bafög finanzierst, sind Momentaufnahmen auf sozialen Plattformen die mit Chloe Bags, Acne Pullovern, Balenciage Cut Out Boots und Gucci Slippern genau dasselbe wie Fotos in Hochglanzmagazinen á la VOGUE & Co. Eine teure Scheinwelt, die ganz und gar nicht nah an dem ist, was Otto normal ist. Verständlich, denn immer mehr Blogger leben von dem was sie tun und mehr Einkommen bedeutet auch gleichzeitig, dass man sich kostspieligere Investitionen für die eigene Garderobe erlauben kann. Der Blogger spricht mit seinem neuentdeckten High-Fashion Content andere Kunden an und so nimmt der Weg zum Designer-Blogger, dessen Postings durch Produktplatzierungen leben, seinen Lauf. Weg von der einst so inspirierenden „quasi“ besten, digitalen Freundin, die mit Stücken aus günstigen Kleidungsketten dich un dein monatliches Shoppingbudget inspirierte. Finanzielle Luxusgüter wie man sie aktuell sehen kann, sind nunmal nicht die Norm. Eine 1000€ Handtasche ist nicht casual und gängig. Zumindest nicht für mich als normalarbeitender Mensch. All das wovon also ein Fulltime-Blogger heutzutage profitiert und was er geschickt inszeniert, erweckt den Eindruck einer perfekten Welt. Eine Welt von der es sich zu träumen lohnt und von der man auch ein Teil sein möchte. Ein Look den man zwar schön findet,  sich aber niemals leisten kann. Der Blogger oder Influencer wird zum VIP auf Events, er wird zum Idol auf dem Smartphone Bildschirm. So sucht man als Follower nach günstigen Alternativen um Haute Couture im Mid-Class Alltag erleben zu können. Man greift zu Replica's oder Stücken aus großen Bekleidungsketten die sich eindeutig inspirierten oder schamlos kopierten.

Die Arbeit eines Bloggers oder Influencers würde ich niemals runter reden wollen, denn zu oft musste ich als Hobby Blogger erfahren, dass der Arbeitsaufwand hinter all dem nicht gesehen und runtergeredet wird. Die eigene Freizeit und jede andere Minute wird für den Blog oder die eigenen Channels  geopfert. Bye bye Feierabend, bye bye frühere Freizeit oder bye bye Privatleben. Es liegt ein hartes Stück Arbeit hinter dem Status, den die Selbstdarsteller heute genießen. Früher belächelt, heute in die Frontrow gesetzt. Heute hat der Blogger die Chance seine Meinung sagen zu können (ob akzeptiert oder nicht) oder sich von Seinesgleichen zu distanzieren und als hochrangiger darstellen zu wollen. Denn man darf nicht vergessen: Blogger ist nicht gleich Influencer und ein Influencer ist nicht automatisch ein Blogger. Ein weitere Option die man hat, ist es die kleinstmögliche Angriffsfläche in der digitalen Welt zu bieten und aktuelle Diskusionen gänzlich unangetastet zulassen und sein Sponsored-Posting-Game weiter zu spielen. Jeder so wie er will. Ähnlich wie im Dschungel Camp hast du die Wahl, wer du sein willst und wie du deine Anrufe (klicks) bekommst.

Es ist so wie es ist. Die Zeit lässt sich nicht zurück drehen. Dieses Business ist einfach oberflächlich. Kaum zu glauben, dass es da nach den ganzen Jahren ein paar wenige Frauen gibt, die ich Freunde nennen kann und die ich sehr schätze. Über dessen neue Postings ich mich ebenso freue, wie über Treffen mit guten, lustigen und ausgelassenen Gesprächen. Sich durch die alten Fotos zu klicken, die diesen Beitrag irgendwie bebildern sollen, war merkwürdig. Es hat sich so viel verändert und wiederum andere Dinge sind genauso geblieben. Ich würde mich über offene Kommentare unter diesem Beitrag freuen, vielleicht sogar von Bloggern die schon ähnlich lange in der Blogosphäre unterwegs sind und ähnliche Erfahrungen gemacht haben, oder es vielleicht sogar ganz anders sehen!


bloggerthing-zwillingsnaht_001

bloggerthing-zwillingsnaht_003

bloggerthing-zwillingsnaht_004

bloggerthing-zwillingsnaht_002

bloggerthing-zwillingsnaht_005

bloggerthing-zwillingsnaht_007

bloggerthing-zwillingsnaht_008

bloggerthing-zwillingsnaht_006

bloggerthing-zwillingsnaht_009

bloggerthing-zwillingsnaht_011

bloggerthing-zwillingsnaht_012

bloggerthing-zwillingsnaht_010

bloggerthing-zwillingsnaht_014




MerkenMerken
MerkenMerken

Kommentare:

  1. So wahr ! Deswegen lese und schaue ich mir auch so gerne euren Blog an, da kann ich mir die schönen Teile auch leisten! :-)

    AntwortenLöschen
  2. ,,Kaum zu glauben, dass es da nach den ganzen Jahren ein paar wenige Frauen gibt, die ich Freunde nennen kann und die ich sehr schätze."

    Ganz viel Liebe für diesen Artikel - letztens erst bin ich über die Fotos unseres ersten Treffens in Dortmund gestolpert und freue mich immer noch, wie unkonventionell und simpel früher Bloggertreffen waren. Und dafür, dass ich meinem Bauchgefühl und eurer Bloggertreffen-Einladung gefolgt bin, bin ich bis heute dankbar.

    In der Tat, die Arbeit als Blogger (ob nun als Hobby oder in Vollzeit) sollte niemandem aberkannt werden. Wieviel Schweiß dahinter steht, wissen wir.
    Toll finde ich aber den ursprünglichen Gedanken der inspirierenden Freundin wieder aufzugreifen. Denn so begann alles: mit Spiegelfotos und authentischen Outfits, die man tatsächlich so trug.
    Auf der einen Seite kann sich die Blogosphäre ob der Professionalisierung glücklich schätzen - so weiß zumindest jeder, was ein Blogger ist. Andererseits ist der Markt nun riesig und viele Berufsblogger können aufgrund der zahlreichen namhaften Kooperationen trotz Snapchat und Co. nicht mehr so nahbar sein, wie es vielleicht gewünscht ist. Denn wie ihr schreibt, sind die Inspirationen tatsächlich nur noch solche und kaum einer kann sich die gezeigte It-Bag mal eben leisten. Oder als Abiturientin wird dafür auf den Führerschein verzichtet. Wahlweise kann die Traumtasche mittlerweile ja auch in Raten erworben werden. Statussymbole sind wieder Trend - kleine Gesellschaftskritik.

    Trotzdem dürfen wir nicht alle Blogger in einen Topf werfen, denn glücklicherweise gibt es auch Berufsblogger, die den Ursprungsgedanken weiterverfolgen. Vielleicht gerade weil sie die Entwicklung von Beginn an mitgeprägt und erlebt haben.
    Wichtig ist doch, dass man authentisch bleibt. Denn irgendwann wird die glatte Welt doch langweilig und es dürstet nach etwas Echtem.
    Apropos: wir haben uns verdammt lang nicht gesehen und sollten schleunigst was dran ändern. Das gilt offiziell als Einladung!

    AntwortenLöschen

Haut in die Tasten: